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Beraten, beobachten, beschleunigen

Montag, 14.10.2019

Systemische Beratung bricht nichts auf, sie bringt vielmehr Dinge in Bewegung. Wie viel Balance dabei vonnöten ist und welche Rolle Erwartungsmanagement in diesem Berufsfeld spielt, veranschaulicht Experte Dr. Michael Schulte-Derne, wissenschaftlicher Leiter des Universitätskurses "Systemische Beratung".

Jedes Unternehmen ist ein eigenes System – oft komplex, undurchschaubar und beherrscht von unsichtbaren Regeln und Erwartungen. Wer diese kennt und offenlegt, kann seine Aufgaben und Ziele besser und effektiver gestalten und lenken. Im Prozess der Erkenntnisse, Bewegung und bildhafter Aha-Erlebnisse sind Systemische BeraterInnen wesentliche UnterstützerInnen für MitarbeiterInnen, Gruppen, Teams, Firmenabteilungen oder ganze Unternehmen. Im Interview verrät Dr. Michael Schulte-Derne, wissenschaftlicher Leiter des Universitätskurses "Systemische Beratung", Buchautor und Mitinhaber der C/O/N/E/C/T/A Wiener Schule der Organisationsberatung, den Kern der Systemischen Beratung, ihre Verbindung zu klassischem Change Management und Organisationsentwicklung sowie Karrierechancen in unterschiedlichen Settings.

Warum ist Systemische Beratung mehr als eine temporäre "Botoxspritze" für Unternehmen? 
Schulte-Derne: Damit ein System sein Überleben langfristig sichern kann, muss es mit seinem Umfeld in Austausch treten. Für diesen Austausch braucht es oft Anregungen und Expertise von außen. Hier stoßen wir auch schon zur Kernfrage der Systemischen Beratung vor: Wer ist eigentlich das Innen und wer ist das Außen? Mit Hilfe einer Systemumfeldanalyse grenzen Systemische BeraterInnen zuallererst das System ab bzw. analysieren die Beziehungen und Erwartungen innerhalb des Systems. Als Systemische BeraterInnen brechen wir keine Strukturen auf, sondern bringen vielmehr Bewegung in das System. Das Aufbrechen an sich muss das System selbst übernehmen. Genauso wie die Frage nach der Sinnhaftigkeit und Balance zwischen Fremd- und Selbstorganisation. 

Wer Bewegung erzeugt, schafft Veränderung. Was macht denn ein gutes Transformationsmanagement aus?
Schulte-Derne: Ich habe zu diesem Thema bereits zwei Bücher geschrieben – Zusammengefasst geht es bei Transformationsmanagement um die gute Balance zwischen Beschleunigung und Entschleunigung und um den qualitativen Mix zwischen klassischem Change Management und Organisationsentwicklung. Was das heißt? Change lebt von Beschleunigung und Organisationsentwicklung lebt von Commitment. Für die Integration der Betroffenen bedarf es professionellen Transformationsmanagements als „3.Weg“. In der Systemischen Beratung beschleunigen und integrieren wir Veränderung, um Erfolge zu sichern. Agilität ist dabei eine Grundhaltung, um gemeinsam etwas zu bewegen. 

Veränderungen in Unternehmen sind immer auch mit (oft unterschätzten) Emotionen verbunden: Wie gehe ich als Systemische/r BeraterIn im Idealfall damit um?
Schulte-Derne: In dem Augenblick, wo man Veränderung in ein System bringt, kommen automatisch Emotionen ins Spiel. Auf der Handlungsebene braucht es für Emotionen Raum und Zeit, die man sowohl Einzelpersonen als auch Kollektiven zur Verfügung stellt. Empathische Distanz ist dabei ganz wesentlich. Als Systemische/r BeraterIn muss ich die Gefühle, die ich beobachte, ernst nehmen, allerdings nicht Gefahr laufen, selbst mitzuschwingen. Schlussendlich schafft man nur so Raum für Neues. 

Welche essentiellen Skills benötige ich noch, um als Systemische/r BeraterIn erfolgreich agieren zu können?
Schulte-Derne: Beratung heißt, sich selbst beim Beobachten beobachten zu können. Der Blickwinkel zwischen der jeweiligen aktuellen Situation und meinem Gegenüber muss sich mit der Metaebene – wie reagiere ich selbst auf mein Gegenüber – die Waage halten. Das kann man üben. Zusätzlich schult dahingehend auch ein kollegiales Umfeld und Supervisionen. Jegliche Beratung, jedes Coaching lebt vom Unterschied zwischen Innen und Außen. Karrierechancen haben jene, die es darüber hinaus schaffen, die Komplexität gleichzeitig zu reduzieren und auch zu erweitern, um die Menschen darin handlungsfähig zu machen. BeraterInnen sind allerdings nicht dafür verantwortlich, wie die Beratenen handeln. 

In welchen konkreten Berufsfeldern und Settings kommen AbsolventInnen des Universitätskurses zum Einsatz? 
Schulte-Derne: Der Universitätskurs befähigt als externe/r oder interne/r Prozess-und FachberaterIn tätig zu sein und versteht sich auch als qualitative Ergänzungskompetenz für Personen, die bereits im beratungsnahen Umfeld oder direkt in der Beratung tätig sind. Die Praxisnähe ist gegeben, weil wir Vortragende gelehrte Skills in konkrete Settings wie Einzelberatung und Coaching bzw. Teams und Projekte sowie große Systeme übersetzen. 

Alle Infos zum Universitätskurs "Systemische Beratung" erhalten Sie hier.

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