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Sprache leben und erleben

Freitag, 05.03.2021

Laut Goethe Institut, DAAD und der deutschen Zentralstelle für das Auslandsschulwesen lernen zurzeit weltweit mehr als 15 Millionen Menschen Deutsch als Fremdsprache. Seit dem Brexit ist Deutsch die verbreitetste Sprache in der Europäischen Union. Achtzehn Prozent der EU- Bürger und -Bürgerinnen haben Deutsch als Muttersprache. Außerdem ist Deutsch nach dem Englischen gemeinsam mit dem Französischen die Sprache in der EU, welche die meisten Menschen als Fremdsprache lernen. Daraus ergibt sich ein breites Berufsfeld für die AbsolventInnen des Universitätslehrgangs „Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“. Wir haben mit Dr. Wilfried Krenn, einem der Vortragenden des Lehrgangs, über das Erlernen einer Fremdsprache, Sprachpolitik und aktuelle Herausforderungen im Bildungssektor gesprochen.

Deutsch als eine Fremdsprache zu lernen unterscheidet sich grundsätzlich vom Erstsprachenerwerb durch unterschiedliche Rahmenbedingungen. „Im institutionalisierten Fremdsprachenunterricht, der frühestens im Kindergarten beginnt, ist der Kontakt mit der Zielsprache meist weitaus geringer als beim Muttersprachenerwerb. Institutionalisierter Unterricht erfordert deshalb gute didaktische Modelle, die auf neuesten Erkenntnissen aus der Gehirnforschung und Lernpsychologie beruhen, um möglichst nachhaltiges und effizientes Sprachenlernen zu ermöglichen.“, erklärt Wilfried Krenn.

Das Erlernen einer anderen Sprache, meint Wilfried Krenn, erlaubt es auch, kulturelle Aspekte, die die eigene Person aber auch das Gegenüber betreffen, wahrzunehmen und zu reflektieren. „Guter Sprachunterricht muss behutsam und gut begründet die kulturelle Bewusstseinsbildung, die mit dem Sprachenlernen einhergeht, begleiten.“

Menschen zur Teilnahme am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben befähigen

Nicht nur kulturelle Bewusstseinsbildung ist ein wichtiger Aspekt des Erlernens einer Sprache, auch die Möglichkeit am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen spielt eine große Rolle. „Ein Ziel der österreichischen Schule ist es, junge Menschen zur effektiven Teilnahme am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben zu befähigen. Dabei sind sowohl eine gute Bildung als auch gute Deutschkenntnisse hilfreich“, sagt Wilfried Krenn. DeutschlehrerInnen stehen dabei oft vor der schwierigen Aufgabe, sprachlich sehr heterogene Gruppen zu unterrichten. „Es braucht kluge schulorganisatorische und didaktische Konzepte sowie überzeugende Unterrichtsmaterialien, um nicht nur im Deutschunterricht, sondern in allen Fächern sprachsensibel zu unterrichten. Nur so ist es möglich, für alle SchülerInnen die Chance auf höhere Bildung sicherzustellen.“

Aufenthaltsbewilligung geknüpft an Sprachkenntnisse

Der Gedanke, dass Sprachkenntnisse auch die Grundlage für ein erfolgreiches Miteinander sind, hat in den letzten Jahrzehnten auch den Druck auf MigrantInnen gesteigert. „Während das in den 1970er und 80er Jahren kaum thematisiert wurde, werden heute MigrantInnen durch unterschiedliche Maßnahmen motiviert, die Mehrheitssprache im Zielland gründlich zu lernen. Die Niveaubeschreibungen (A1-C2) des Europäischen Referenzrahmens für Sprachen sind dabei zu einem wichtigen sprachpolitischen Werkzeug geworden. So werden Aufenthaltsbewilligungen zunehmend an das Erreichen bestimmter Sprachniveaus gebunden, was in der Folge naturgemäß Auswirkungen auf das Angebot und die Inhalte von Deutschkursen hat.“

In seiner Unterrichtstätigkeit im Bereich DaZ sieht Wilfried Krenn Herausforderungen, denen Migrantinnen und Migranten begegnen, aus nächster Nähe. Einige aktuelle politische Entwicklungen sieht er skeptisch: „Es erscheint wenig sinnvoll, Menschen, die jahrelang in Österreich gelebt, hier ihre Ausbildung absolviert und berufliche Erfahrungen gesammelt haben, abzuschieben. Hier müssen gesetzliche Vorschriften flexibler gehandhabt oder eben entsprechend geändert werden.“ Er versucht soweit es möglich ist Personen, die persönlich betroffen sind, zu helfen und zu unterstützen. „In meinem privaten Umfeld versuche ich Verwandte, Freunde und Bekannte zu informieren und darüber aufzuklären, wie die Situation von MigrantInnen in Österreich aussieht.“

Sprache als Kommunikationsmittel erleben

Corona hat den Weiterbildungssektor vor neue Herausforderungen gestellt. Digitale Kommunikationswerkzeuge ermöglichen zwar auch online einen guten kommunikativen Sprachunterricht. Für Wilfried Krenn besteht aber die Gefahr, dass der soziale, interaktive Aspekt des Unterrichts in den Online-Sitzungen verloren geht. „Es geht darum, Sprache als Kommunikationsmittel zu erleben und darum, im Unterricht das Bedürfnis zu verstehen und sich auszudrücken zu wecken. Das muss auch im Online Unterricht im Vordergrund stehen.“

Im Zuge des Universitätslehrgangs „Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ (DAF/DAZ) wird Dr. Krenn Grammatik und Grammatikvermittlung lehren. Eine Anmeldung ist noch bis 21. Juni möglich. Der Kurs startet am 1. Oktober 2021 berufsbegleitend.

Weitere Informationen zum Lehrgang: Universitätslehrgangs „Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“

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