Statt Vorlesungen über Immobilienbewertung, Nutzungsarten und rechtliche Rahmenbedingungen stand für die Studierenden ein Ausflug in die Grazer Innenstadt auf dem Programm – hinein in ein Zinshaus, das zum Forschungsobjekt wurde. Man schaut sich nicht nur in die freistehende Wohnung an, sondern will auch in den Rohdachboden. Man horcht nicht, ob die Nachbarn laut sind, sondern fragt, wann zuletzt saniert wurde und ob das Haus im Alleineigentum steht. Den Teilnehmer:innen des Universitätslehrgangs Liegenschaftsbewertung und Immobilienrecht ging es nicht darum, eine neue Wohnung zu beziehen, sondern darum zu verstehen, wie der Wert eines Zinshauses berechnet wird.
Zinshäuser verstehen
Nach der Besichtigung besprachen die Teilnehmer:innen das Objekt durch. Zinshäuser sind klassisch österreichische Mietwohnhäuser aus der Gründerzeit. Sie wurden erbaut in einer Phase, in der Städte explodierten und Wohnraum zur Ware wurde. Reich dekorierte Fassaden, hohe Decken und solide Bauweise zeichnen sie aus. Viel Potential also, wenn man sie saniert und an heutige Standards anpasst. Bis 2022 wurden Zinshäuser sehr gehyped. Auch in B‑Lagen spiegelten die Kaufpreise eher den Glauben an eine immerwährende Wertsteigerung wider als eine realistische Kalkulation.
Dann veränderten sich die Zinsen und es folgte ein abruptes Erwachen: plötzlich rückten Faktoren wie Lagequalität, Bauzustand, Mietverträge und Entwicklungspotenziale wieder mehr ins Zentrum. Die Frage nach der potentiellen Käuferschicht für das jeweilige Produkt wurde spannender. Bauträger, die früher oft aggressiver agierten, traten nun leiser auf. Den Bedarf an Wohnraum gibt es aber weiterhin, da wenig gebaut wurde in den letzten beiden Jahren. Daher werden Fragen nach Finanzierbarkeit, Risiko und Rendite seitdem interessanter.
Das Potenzial liegt oft dort, wo noch nichts passiert ist
Die Teilnehmer:innen des Lehrgangs schauten sich auch den Dachboden des Hauses genauer an. Denn bei der Bewertung einer solchen Immobilie spielt neben der Adresse und der Nutzfläche vor allem auch das Ausbaupotential eine wichtige Rolle. Häuser, die auf den ersten Blick wenig hergeben, aber auf den zweiten Blick ganze Zukunftsszenarien eröffnen: ein Dachboden, der sich zum Wohnraum entwickeln lässt; ein Lift, der fehlt; ein Bauzustand, der mehr verspricht als er zeigt. Verkehrswertermittlung bedeutet hier nicht nur Rechnen, sondern auch Vorstellen: Was könnte dieses Haus sein, wenn man es lässt?
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Der Universitätslehrgangs Liegenschaftsbewertung und Immobilienrecht verbindet Theorie mit Praxis und macht aus Erfahrungen Wissen. Gemeinsam mit anderen aus der Branche lernt man, tauscht sich aus und erhält so einen wertvollen Blick für Immobilien und ihren Wert.
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