Türen öffnen
„Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache zu unterrichten ist eine wirklich sehr bereichernde und schöne Tätigkeit – auch wenn der öffentliche Diskurs das manchmal anders rahmt“, erzählt der neue wissenschaftliche Leiter des Universitätskurses DaF/DaZ, Stephan Schicker. „Gerade medial wird DaZ-Förderung häufig defizitorientiert dargestellt, als Kompensation eines Mangels. Wer aber selbst unterrichtet, erlebt das Gegenteil.“ Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache zu unterrichten bedeutet für ihn, Menschen Türen zu Begegnungen sowie zu Bildung und zu gesellschaftlicher Teilhabe zu öffnen. „Im DaF-Kontext öffnet man Lernenden den Zugang zu einem vielfältigen Sprach- und Kulturraum, zu deutschsprachiger Wissenschaft und Literatur, zu Studien- und Berufsmöglichkeiten etc. Und diese Arbeit kann auch für die Lehrenden selbst unglaublich bereichernd sein.“
Klare Haltung und Reflexion
Dazu braucht es jedoch die richtige Herangehensweise. Guter DaF/DaZ-Unterricht beginnt für Schicker mit einer diagnostischen Haltung: „Lehrkräfte müssen erkennen, was Lernende sprachlich bereits mitbringen und zwar nicht nur im Deutschen, sondern in allen ihren Sprachen.“ Ebenso wichtig sei die professionale Handlungskompetenz der Lehrenden: „Nicht das Abarbeiten fertiger Rezepte macht guten Unterricht aus, sondern die Fähigkeit, das eigene Handeln zu hinterfragen und Förderangebote an die konkreten Lernenden anzupassen. Genau diese Verbindung von Theorie, Diagnose, Reflexion und Praxis steht im Zentrum unseres Universitätskurses.“
Möglichkeiten nutzen
Um den Unterricht gut auf die Lernenden anzupassen, gibt es heute mehr Möglichkeiten als je zuvor. Digitale Medien eröffnen den niederschwelligen und einfachen Zugang zu authentischen Texten und Sprachverwendungskontexten. „Lernende können heute viel einfacher als jemals zuvor vielfältige Medienprodukte (Texte, Videos, Podcasts) und digitale Kommunikationsmöglichkeiten nutzen“, erklärt Schicker. Diese digitalen Werkzeuge ermöglichen außerdem eine stärkere Individualisierung und Differenzierung, etwa durch adaptive Übungsformate oder KI-gestützte Schreibunterstützung. Schicker gibt aber auch zu bedenken: „Digitale Tools sollten nie ein Selbstzweck sein, sie müssen zu den Lernzielen und der didaktischen Rahmung passen.“
Fake News und Lesekompetenz
Zu den aktuellen Forschungs- und Arbeitsschwerpunkten von Stephan Schicker gehören die Lese- und Mediendidaktik, insbesondere das Erkennen und Widerlegen von Falschinformationen. „In der Leseforschung geht man inzwischen von einem erweiterten Lesekompetenzbegriff aus, der über das Verstehen von Textinhalten hinausgeht und auch die Fähigkeit einschließt, Quellen zu bewerten, Täuschungsstrategien zu erkennen und Informationen über verschiedene Texte hinweg abzugleichen. Lesen heißt also nicht nur, einen Text zu verstehen, sondern auch einzuschätzen, wer ihn mit welcher Absicht verfasst hat und wie verlässlich die darin enthaltenen Informationen sind.“ Im Projekt Fictional Science entwickelt er Unterrichtskonzepte, die Lernende befähigen, Fake News nicht nur zu erkennen, sondern auch schriftlich zu widerlegen.
Damit solche didaktischen Ansätze in der Praxis wirksam werden können, braucht es gut ausgebildete Lehrpersonen. Der Universitätskurs Deutsch als Fremd- und Zweitsprache vermittelt in nur einem Semester ein qualitativ hochwertiges Rüstzeug für das professionelle Planen, Durchführen und Evaluieren von Unterricht im Bereich DaF/DaZ im Kontext von Mehrsprachigkeit.