Seit Wochen kämpfen Feuerwehrleute in großen Teilen Europas gegen schwere Waldbrände. Dörfer werden evakuiert, Gebäude beschädigt, Betriebe stehen still. Solche Katastrophen bringen nicht nur Angst und Unsicherheit, sondern auch viele wirtschaftliche Herausforderungen mit sich. Nachdem die Feuer gelöscht sind, beginnt nämlich die nächste große Aufgabe: der Wiederaufbau. Für den braucht es ausreichende finanzielle Mittel. Versicherungen können Unternehmen und Haushalten nach Naturkatastrophen rasch das nötige Geld zur Verfügung stellen. Damit helfen sie nicht nur einzelnen Betroffenen, ihre Schäden zu bewältigen. Sie leisten auch einen wichtigen Beitrag, damit Betriebe ihre Tätigkeit wieder aufnehmen, Arbeitsplätze erhalten bleiben und sich eine Region wirtschaftlich erholen kann.
Kostenfrage Versicherungsschutz
Doch bei weitem nicht alle Haushalte und Unternehmen sind gegen solche Naturkatastrophen versichert. Daten der Europäischen Umweltagentur zeigen, dass Schäden durch klimabedingte Naturkatastrophen in vielen EU-Mitgliedstaaten nur zu einem geringen Teil versichert sind. Die Deckungslücke scheint dabei nicht vom tatsächlichen Naturgefahrenrisiko abzuhängen, sondern vor allem auch von der finanziellen Situation der Haushalte.
Gleichzeitig verändert der Klimawandel die Kalkulation der Versicherungen grundlegend. Steigt beispielsweise das Überschwemmungsrisiko an einem bestimmten Standort, muss sich dieses höhere Risiko langfristig auch in der Prämie widerspiegeln. Für Haushalte und Unternehmen kann Versicherungsschutz dadurch unleistbar werden.
Das wiederum kann Entscheidungen beeinflussen, die weit über den Versicherungsvertrag hinausgehen: Wo wird gebaut? Wo siedelt sich ein Unternehmen an? Wie attraktiv ist eine Immobilie?
Ein schwieriger Balanceakt
Für Versicherungsunternehmen entsteht so ein Spannungsfeld: Risiken sollen möglichst risikoadäquat bepreist werden, gleichzeitig darf Versicherungsschutz nicht für immer mehr Menschen unerschwinglich werden.
Denn wenn Betroffene das eigene Risiko als zu gering einschätzen oder wegen steigender Prämien auf eine Versicherung verzichten, kann sich das Problem im Ernstfall dramatisch verschärfen. Nach einer Naturkatastrophe bleiben Geschädigte vielleicht auf den Kosten sitzen. Im schlimmsten Fall können daraus Kreditausfälle oder sogar Privatkonkurse entstehen.
Auch für die Versicherungen selbst wird der Risikoausgleich schwieriger. Wenn vor allem Personen mit besonders hohem Risiko versichert bleiben, während Personen mit geringerem Risiko aus dem Versicherungsschutz aussteigen, verändert sich die Zusammensetzung des Versichertenkollektivs.
Die Vergangenheit reicht nicht mehr aus
Eine weitere Herausforderung liegt in der Berechnung der Risiken selbst. Versicherungen arbeiten traditionell mit historischen Daten, um Wahrscheinlichkeiten für zukünftige Schäden abzuschätzen. Doch genau diese Grundlage gerät durch den Klimawandel unter Druck.
Wenn Extremwetterereignisse häufiger oder intensiver werden, können historische Schadensdaten die zukünftige Realität nur noch eingeschränkt abbilden. Der Weltklimarat (IPCC) geht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass die globale Erwärmung die Häufigkeit und Intensität bestimmter extremer Wetterereignisse verändert. Wie sich die Risiken konkret entwickeln und regional verteilen werden, bleibt jedoch schwer vorherzusehen.
Was verändert sich für Versicherungsbranche?
Der Klimawandel wird zunehmend zu einer strategischen Herausforderung für die gesamte Versicherungswirtschaft. Risiken müssen künftig noch stärker aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden, nicht nur anhand historischer Schadensdaten, sondern auch mit Blick auf Klimamodelle, regionale Entwicklungen, neue Technologien und gesellschaftliche Veränderungen.
Wichtiger werden daher unter anderem Daten- und Analysekompetenz, Risikomanagement, ein Verständnis für Klimarisiken sowie die Fähigkeit, komplexe Entwicklungen zu bewerten und in Versicherungsprodukte und Entscheidungen zu übersetzen.
Up to date bleiben, wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Wer Risiken von morgen beurteilen und kompetente Beratung anbieten will, muss sich kontinuierlich mit neuen Entwicklungen auseinandersetzen und das eigene Wissen laufend erweitern. Auch der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen und Personen aus der Wissenschaft gewinnt dadurch nochmals an Bedeutung.
Universitätslehrgang Versicherungswirtschaft
Der nunmehr bereits über 30 Jahre bestehende Universitätslehrgang für Versicherungswirtschaft bietet eine fundierte Grundausbildung in allen Bereichen, die für die Versicherungswirtschaft von Relevanz sind. Er schafft die Möglichkeit, bestehende Kenntnisse zu vertiefen, sich mit den Herausforderungen und Veränderungen der Branche auseinanderzusetzen und mit Personen aus der Branche auszutauschen.